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Was ist Conscious Connected
Breathwork?

Conscious Connected Breathwork (CCB) geht auf das von dem Psychotherapeuten Stanislav Grof in den frühen 1970er Jahren entwickelte holotrope Atmen zurück. Diese Atemtechnik arbeitet mit schneller, durchgehender Mund-Mund-Atmung (d. h. Mund ein, Mund aus) und kommt Formen der Hyperventilation nahe. Grof entwickelte das holotrope Atmen als Reaktion auf die in den späten 1960er Jahren einsetzende Kriminalisierung von LSD und vergleichbaren psychoaktiven Substanzen (vgl. Grof 1988). Er stellte fest, dass sich durch holotropes Atmen viele Wirkungen hervorrufen lassen, die zuvor vor allem mit Psychedelika assoziiert worden waren. Holotropes Atmen wurde dadurch zu einem nicht-pharmakologischen Zugang zu intensiven, erweiterten Bewusstseinszuständen und fand zugleich Anwendung in psychotherapeutischen Kontexten.

CCB stellt eine moderne Weiterentwicklung dieser Praxis dar. In der von mir unterrichteten Form wird mit einer sanfteren Nase-Mund-Atmung gearbeitet (Nase ein, Mund aus), verbunden mit einer tiefen, wellenartigen Atembewegung, die zunächst den Bauch und anschließend den Brustraum erfasst, sowie mit einem gegenüber dem holotropen Atmen reduzierten Tempo. Wie beim holotropen Atmen entfallen die Pausen zwischen Ein- und Ausatmung sowie zwischen Aus- und Einatmung (daher der Name „verbundene“ Atmung), wodurch über etwa 50–60 Minuten ein kontinuierlicher, wellenartiger Atemfluss entsteht. Die Praxis erfolgt in der Regel im Liegen. Der Atem trägt den gesamten Prozess. CCB zeichnet sich im Unterschied zum holotropen Atmen durch eine bewusstere und achtsamere Atemführung aus, deren Intensität bewusst moduliert wird. Dadurch wirkt es sanfter und integrativer und zielt auf eine dynamische Balance zwischen Aktivierung (Sympathikus) und Regulation (Parasympathikus) des Nervensystems.

Hinweis: CCB ist eine intensive Atemtechnik und nicht für jede Person zu jedem Zeitpunkt geeignet. Bitte beachten Sie die Hinweise zu Kontraindikationen weiter unten.

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Breathwork session supporting individuals in a kundalini awakening process

Atem ≡ Prāṇa ≡ Bewusstsein

Wirkungen von CCB –
aus physiologischer Sicht

CCB führt bereits nach kurzer Zeit zu deutlichen und messbaren physiologischen Veränderungen. Durch das schnelle, verbundene Atmen ohne Pausen verschiebt sich innerhalb weniger Minuten das Verhältnis von Sauerstoff (O₂) und Kohlendioxid (CO₂) im Blut: Der CO₂-Spiegel sinkt (Hypokapnie), was zu einem leichten Anstieg des pH-Wertes führt (respiratorische Alkalose). Diese Veränderungen haben direkte Auswirkungen auf das Gehirn und das autonome Nervensystem. Die Alkalose geht unter anderem mit einer vorübergehenden Verengung zerebraler Blutgefäße einher und beeinflusst dadurch die neuronale Erregbarkeit und Signalverarbeitung im Gehirn. Gleichzeitig registrieren zentrale Chemorezeptoren im Hirnstamm (Medulla) den veränderten CO₂-Spiegel und würden normalerweise eine Verlangsamung der Atmung auslösen, um das Gleichgewicht zwischen Sauerstoff und Kohlendioxid wiederherzustellen. Im CCB wird dieser automatische Impuls jedoch durch die bewusst geführte Atmung überlagert, wodurch sich der Gesamtzustand von Nervensystem und Bewusstsein spürbar verändert und neu organisiert. Im Zusammenhang mit einer veränderten Aktivität emotionaler Netzwerke im Gehirn (limbisches System, insbes. Amygdala) geht dies mit einer Intensivierung der Selbst- und Körperwahrnehmung (Interozeption) sowie mit einem erleichterten Zugang zu emotionalen und sonst schwer zugänglichen (impliziten) Erfahrungsinhalten einher. Häufig werden dabei auch Verschiebungen in den vorherrschenden Gehirnwellenmustern beobachtet, etwa von eher aktivitätsgeprägten Beta-Zuständen hin zu Alpha- und Theta-Bereichen, die typischerweise mit Entspannung bei gleichzeitiger Wachheit bzw. meditativen Zuständen assoziiert werden. CCB lässt sich vor diesem Hintergrund als eine gezielte physiologische Praxis verstehen, die über den Atem direkt auf neuronale, autonome und interozeptive Prozesse einwirkt.

Wirkungen von CCB – 
aus psychologischer Sicht

Aus psychologischer Sicht stellt CCB ein ungewöhnlich direktes Instrument dar, um psychische Prozesse nicht primär kognitiv, sondern über den Körper, den Atem und das Nervensystem zu erschließen. Stanislav Grof hat hierzu ein transpersonales Modell verschiedener Schichten der Psyche vorgeschlagen (vgl. Grof 1988), die von aktuellen biographischen Erfahrungen über prä- und perinatale Prägungen bis hin zu transpersonalen Dimensionen reichen, die sich im Anschluss an Carl Gustav Jungs Konzept des „kollektiven Unbewussten“ beschreiben lassen. CCB kann bislang wenig bewusste oder verdrängte biographische Inhalte zugänglich machen und eröffnet damit einen sicheren Raum für tiefe emotionale Arbeit („Schattenarbeit“), in dem unverbundene Erfahrungsanteile und Emotionen bewusst wahrgenommen und schrittweise verarbeitet und integriert werden können. Die „Weisheit“ des Atems zeigt sich darin, dass in der Regel genau jene Inhalte ins Bewusstsein treten, die das System im jeweiligen Moment tragen und integrieren kann.

Die Wirkung von CCB lässt sich auch im Licht aktueller psychophysiologischer Modelle beschreiben. So kann die durch den Atem induzierte Aktivierung und anschließende Regulation des autonomen Nervensystems im Sinne der von Stephen Porges entwickelten Polyvagaltheorie verstanden werden (Porges 2011): Zustände erhöhter Aktivierung (fight or flight) oder Erstarrung (freeze) können sich im Verlauf der Praxis lösen und schrittweise in einen regulierten, sozial verbundenen Zustand übergehen (ventraler Vagus). Die intensive Atembewegung, insbesondere die Öffnung von Bauch- und Brustraum, vertieft die Körperwahrnehmung und kann so den Zugang zu verkörperten, oft impliziten Gedächtnisprozessen erleichtern.

Aktuelle Studien zeigen, dass Breathwork-basierte Methoden positive Effekte auf die psychische Gesundheit sowie auf zentrale physiologische Regulationsprozesse haben können. Dazu gehören insbesondere die Reduktion von Stress und Angst sowie Verbesserungen in der emotionalen Regulation sowie im allgemeinen Wohlbefinden (Kox et al. 2014; Fincham et al. 2023). Intensivere Formen der Atemarbeit können, wie oben bereits erläutert, veränderte Bewusstseinszustände hervorrufen, in denen emotionale Themen leichter zugänglich und verarbeitbar werden (Kartar et al. 2025). Darüber hinaus wird Atemarbeit von vielen Praktizierenden als ganzheitlich regulierend und belebend erlebt, mit möglichen positiven Auswirkungen etwa auf Schlaf, Verdauung, Energielevel, Körperwahrnehmung und innere Klarheit. Diese Erfahrungswerte werden seit Jahrzehnten beschrieben, sind jedoch bislang nur teilweise wissenschaftlich untersucht worden.

Wirkungen von CCB –
aus yogischer Sicht

Aus yogischer Perspektive ist der Atem nicht nur ein physiologischer Vorgang, sondern unmittelbarer Träger von Lebensenergie (Prāna). Atem, Prāna und Bewusstsein stehen in einem engen Zusammenhang: Veränderungen im Atem wirken direkt auf Bewusstsein und Energiefluss im Körper; umgekehrt spiegelt der Atem innere Zustände wider.

Im CCB wird durch den verbundenen, bewussten Atemfluss die Zirkulation von Prāna im Körper intensiviert. Dies kann dazu beitragen, Blockaden im Energiekörper zu lösen und das System insgesamt durchlässiger zu machen. Zugleich führt die erhöhte Prāna-Zufuhr zu einer stärkeren Sensibilität für subtile Körper- und Energieprozesse. Wirkungen von Bandhas, Mantras und Mudrās, die im Rahmen der täglichen Yoga-Praxis häufig nur als subtile Nacheffekte wahrgenommen werden, können während einer CCB-Sitzung unmittelbar erfahrbar werden. Ich schreibe dies auch aus eigener Erfahrung als praktizierender Yogi mit langjähriger täglicher Praxis: CCB entfaltet deutlich intensivere Wirkungen als alle mir bekannten Formen von Kapalabhati, Bhastrikā oder Prānāyāma. Insbesondere bei länger praktizierenden Yogi*nis kann CCB aufgrund des bereits sensibilisierten Energiekörpers intensive Bewusstseins- und Transformationsprozesse ermöglichen. Praktizierende berichten häufig von Zuständen tiefer Ruhe bei gleichzeitiger Klarheit und Wachheit, bis hin zu samādhi-artigen Erfahrungen.

Atem ≡ Prāna ≡ Bewusstsein ⇄ Kundalini

Schließlich kann CCB – im Unterschied zu passiven Ansätzen wie dem „Kundalini Activation Process“ (KAP) – als Schlüsselmethode im Umgang mit dem sogenannten Kundalini-Prozess genutzt werden. Denn Kundalini ist nicht einfach „Energie“, sondern die Kraft der Selbstreflexion innerhalb des Bewusstseins selbst und damit eng mit dem Atem verbunden (ich folge hier der Interpretation von Igor Kufayev auf Basis des kaschmirischen Śaiva-Śākta-Tantras). Der Atem ist ein autonom regulierter Prozess, der – im Unterschied zu den meisten anderen vegetativen Funktionen wie etwa Herzschlag oder Verdauung – zugleich willentlich beeinflusst werden kann und damit eine einzigartige Schnittstelle zwischen Körper und Geist darstellt. Er ist damit der unmittelbarste Ausdruck von Kundalini als Bewegung der Selbstreflexion des Bewusstseins im Körper. Im Falle ihres sogenannten „Erwachens“ entfaltet sich Kundalini als zunehmend verkörpertes, den ganzen Körper durchdringendes Gewahrsein, was sich auch und gerade im Erleben des Atems manifestiert. Conscious Connected Breathwork bietet daher einen besonders wirksamen und direkten Zugang, diesen Prozess schrittweise, achtsam und nachhaltig zu regulieren und zu integrieren.

Für wen CCB nicht geeignet ist
(Kontraindikationen)

Conscious Connected Breathwork ist nicht für jede Person oder Situation geeignet. Wenn einer der folgenden Punkte auf Sie zutrifft, klären wir vorab gemeinsam, ob und in welcher Form CCB für Sie geeignet ist.

  • Epilepsie oder Krampfanfälle (inkl. familiäre Vorgeschichte)

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Angina pectoris, zurückliegender Herzinfarkt, Myokarditis, relevante Herzrhythmusstörungen, unbehandelter oder schwer einstellbarer Bluthochdruck, Aneurysmen)

  • Glaukom oder Netzhautablösung

  • Osteoporose

  • Kürzlich erfolgte Operationen oder akute Verletzungen

  • Chronische Erkrankungen des Nervensystems, der Wirbelsäule oder der Fortpflanzungsorgane

  • Schwerwiegende psychische Erkrankungen (insbesondere Psychosen, bipolare Störung, Schizophrenie)

  • Kürzlich zurückliegende psychiatrische Klinikaufenthalte oder akute emotionale Krisen, Suizidgedanken  

  • frühe oder späte Phase einer Schwangerschaft

 

In solchen Fällen ist eine individuelle Abklärung vorab erforderlich. Bitte füllen Sie vor der ersten Sitzung auch die Einverständniserklärung aus. CCB stellt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung dar und ersetzt eine solche nicht.

Wie ich Conscious Connected
Breathwork anbiete

Meine CCB-Sitzungen sind sorgfältig aufgebaut und kombinieren verschiedene Elemente, die darauf abzielen, den Atemprozess zu unterstützen und zu vertiefen. Eine zentrale Rolle spielen dabei speziell komponierte Musikreisen, die den Atem über die Dauer der Sitzung hinweg wellenartig führen und strukturieren. Ergänzend arbeite ich auf Wunsch mit gezielter Körperarbeit – etwa durch Druckpunkte, Mini-Massagen und sanfte rhythmische Bewegungsimpulse (z. B. leichtes Durchschütteln der Beine) –, um den Körper für den Atemfluss zu öffnen und Spannungen zu lösen. Darüber hinaus können sanfte Formen der Muskelaktivierung (z. B. mit einem Pilates-Ring) sowie yogische Elemente wie Vokalisationen (Bīja-Mantras) oder gezielt eingesetzte Atempausen – Atemhalten nach der Einatmung (antara kumbhaka) und nach der Ausatmung (bāhya kumbhaka) – zum Einsatz kommen. Auf Wunsch können zudem ätherische Öle (Aromatherapie) sowie Elemente der Klang- und Frequenzarbeit (Sound Healing) eingebaut werden, sofern sich der Prozess dadurch sinnvoll unterstützen lässt. Ziel all dieser Interventionen ist es, den Körper schrittweise für den Atem durchlässig zu machen und einen sicheren, achtsam gehaltenen Erfahrungsraum zu schaffen, in dem sich tiefere Prozesse entfalten können – orientiert an aktuellen körper- und nervensystembasierten Ansätzen der Traumaforschung.

CCB ist erstaunlich in
seiner Einfachheit

Sie liegen.

Sie atmen.

Ihr System beginnt, sich zu erinnern, zu regulieren und zu öffnen.

Der Atem steht jedem Menschen jederzeit zur Verfügung … mehr braucht es nicht.

Referenzen

Fincham, Guy William et al. 2023. “Effect of breathwork on stress and mental health: A meta-analysis of randomised-controlled trials.” Scientific Reports 13: 432. https://doi.org/10.1038/s41598-022-27247-y

​Grof, Stanislav. 1988. The Adventure of Self-Discovery: Dimensions of Consciousness and New Perspectives in Psychotherapy and Inner Exploration. Albany, NY: State University of New York Press.

​Kartar, Amy Amla et al. 2025. “Neurobiological substrates of altered states of consciousness induced by high ventilation breathwork accompanied by music.” PLOS ONE 20 (8): e0329411. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0329411

Kox, Matthijs et al. 2014. “Voluntary Activation of the Sympathetic Nervous System and Attenuation of the Innate Immune Response in Humans.” Proceedings of the National Academy of Sciences 111 (20): 7379–7384. https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.1322174111

​Porges, Stephen W. 2011. The Polyvagal Theory: Neurophysiological Foundations of Emotions, Attachment, Communication, and Self-Regulation. New York: W. W. Norton.

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